Bewahren

Gemeindebrief
von Norbert T.
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Vor sehr langer Zeit ist den Menschen die Aufgabe übertragen worden, sich die Natur nutzbar zu machen und sie pfleglich zu behandeln.

Am Beginn der Menschheitsgeschichte gab es keine Schwierigkeiten, dem Auftrag gerecht zu werden, denn die Menschen sorgten sich nicht nur um ihr Wohl, sondern ließen auch der Tier- und Pflanzenwelt genug Raum, sich frei zu entwickeln. Aus den Jägern und Sammlern wurden sesshafte Bauern und Tierzüchter, aus den kleinen Familiengruppen wurden soziale Gefüge in Ansiedlungen, Dörfern und größeren Gemeinschaften.

Alles verlief im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten: es schien so, dass Gottes Plan, die Menschen und die Umwelt zu versorgen, gelingen könnte.

Und Gott schenkte den Menschen sein Vertrauen mit der Gabe des freien Willens.

In der Welt ging es voran, es entstanden Städte und Staaten, Gemeinschaften entwickelten sich, aber der Weltgeist setzte zunehmend mehr den Ungeist des Neides in die Herzen der Menschen: der eine wollte in seinem Dorf regieren, der andere beanspruchte einen Teil des Ackers seines Nachbarn; Streit, Auseinandersetzungen und Kriege waren die Folge. Immer und immer wieder sandte Gott Propheten aus, die den Menschen warnend vor Augen führten, welche Folgen der Weltgeist verursachte.

Doch es gelang nur selten die nach Macht Strebenden von ihrem Tun abzubringen. Die Menschheit wuchs und einige Völker eigneten sich den Besitz anderer an, obwohl doch ohne das kriegerische Streben genug für jeden von Gott in die Natur geschenkt worden war.

Der Geist des Neides und die Gier nach immer größerer Macht und Besitztümern ließ die Menschen ihren Auftrag vergessen, das Wohl aller Mitmenschen und der Natur zu bewahren. Die Demokratie im alten Griechenland war der Versuch einzelner denkender, fortschrittlicher Menschen das Wohl der Gemeinschaft in die Hände aller zu übertragen, aber eben auch hier gibt es die Herrschenden und die Dienenden, wenn auch für eine begrenzte Zeit.

Einzelne ließen sich in jeder Gesellschaftsform nicht davon abhalten, sich zu ihren Gunsten an der Gemeinschaft aller zu bereichern: die Rücksicht gegenüber den Mitmenschen und gegenüber der Natur wurde immer mehr verdrängt durch das „Wachstum“ der Wirtschaft und das Gewinnstreben einzelner.

Vor 2.000 Jahren brachte es der Heiland in einer Antwort auf den Punkt. Von einem reichen Jüngling gefragt, was er tun könnte, um ins Himmelreich zu kommen, antwortet Jesus, dass er all seinen Besitz den Armen schenken und ihm nachfolgen solle. Der Jüngling kann dies nicht und wendet sich traurig ab.

Es wird sichtbar, dass das Streben nach weltlichen Gütern – auch wenn es in den frühchristlichen Gemeinden bereits wohlhabende Geschwister gab – zumindest dem Willen Gottes eher abträglich sein kann.

Nun wissen wir aber alle, dass in der Welt ein Leben ohne materielle Güter kaum möglich ist, es geht jedoch darum, nicht das Streben danach in den Vordergrund seiner Handlungen zu stellen. So kann man heute von reichen Menschen berichten, die einen großen Teil ihres Besitzes in soziale Projekte investieren, ohne eine Gegenleistung dafür zu beanspruchen.

Auch in der Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts war es nötig, den Kaufpreis für den Grund und Boden der Friedensstadt aufzubringen. Joseph Weißenberg bat deshalb die Mitglieder der Kirche um Spenden, so dass eine Siedlung gebaut werden konnte, die vielen Arbeit und Wohnung werden konnte. Es war und blieb eine religiöse Siedlung „aus Trauringen gebaut“, die nun über 100 Jahre besteht als Ort, der zum Himmel erziehen soll, als Ort des Friedens.

Schon zu dieser Zeit wusste Joseph Weißenberg um die Geschichte der Siedlung, so ließ er zum Beispiel die Flure der Schule sehr breit bauen, um die Nutzung durch die Besatzungs- truppen zu ermöglichen, und er wird sich freuen, dass die Johannische Kirche die Stadt erneuert und wieder erstrahlen lässt.

Unsere Kirche bewahrt die Stadt und damit das Lebenswerk Joseph Weißenbergs.

Auch er mahnte zu dieser Zeit, dass die Menschheit sich entscheiden müsse, umzukehren oder unterzugehen, und er meinte sicherlich nicht nur die folgende Kriegszeit, sondern auch die Nachkriegszeit, in der die Menschen sich mehr um die Gewinnorientierung als die Verträglichkeit des eigenen Tuns mit der Umwelt zu kümmern begann, und er sah das Heute. Die Welt begann sich wirtschaftlich zu erholen, auch in Deutschland wuchs der Wohlstand. Die Konsumbereitschaft zeigte sich im Erwerb von Fernsehern, Waschmaschinen und nicht zuletzt dem ersten eigenen Automobil, dem Stolz einer jeden Familie.

Lange wurde gespart oder abgezahlt, um dieses hohe Gut zu erwerben und dann?

Der VW und der Trabbi verbrauchten Benzin, die Reifen hatten einen hohen Gummi-Abrieb, der Ölwechsel verursachte Altöl, und die Luft wurde besonders in den Städten stickiger. Die Werbung redete uns jedoch ein: „Keine Sorge! Bleibt ruhig! Es kann nichts schaden!“

Und wir konsumierten weiter, sorglos und guter Dinge.

Aus der Metallzeit wird nach und nach die Plastik-Zeit. Die Milchkanne wird durch eine Plastiktüte ersetzt, das Butterbrotpapier wird von einer Plastik-Box verdrängt, zum Einkauf trägt keiner seine Stofftüte mit in den Laden, denn die in Plastik verpackten Artikel werden mit einer Plastik-Tüte nach Hause getragen.

Aber gab es nicht schon zu dieser Zeit mahnende Wissenschaftler, die vor einer deutlichen Erhöhung des CO2 – Wertes und den Entsorgungsproblemen gewarnt haben?

„Keine Sorge! Keine Probleme! Wir kümmern uns darum!“, meinte dazu die Werbung. Schockierend kam das Sonntagsfahrverbot, nicht etwa um die Natur zu schützen, sondern weil die Ölproduzenten und – firmen den Benzinpreis erhöhen wollten.

„Das ist eine Chance gegen die CO2 – Belastung und die damit verbundene Klimaerwärmung vorzugehen!“ riefen uns Wissenschaftler zu.

Die Chance, die Natur zu bewahren, verschwand jedoch mit dem Ende der Ölkrise.

Heute leben wir im Jahr 2022, und wir mussten mit ansehen, dass sich weltweit die Natur zur Wehr setzt: Wirbelstürme, Überflutungen, großflächige Waldbrände, das Abschmelzen der Polkappen, übergroße Hitzewellen und das Fehlen von Wasser ist Alltag in den Nachrichten.

Der Mensch hat seinen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, nicht erfüllt.

Doch es gibt Hoffnung: Ein Umdenken hat seit etwa 20 Jahren eingesetzt. Politiker in der ganzen Welt haben endlich begonnen, den Wissenschaftlern zuzuhören. Klimaziele wurden gesetzt, der Umbau der Wirtschaft hat begonnen, der Erderwärmung soll Einhalt geboten werden, selbst hohe Kosten werden nun akzeptiert. Immer noch scheinen aber die Organisationen, die immer von der bisherigen Situation profitiert haben, sich gegen eine radikale Umkehr zu stellen: das Verbot der Verbrennungs-motoren in Europa soll noch einmal überlegt werden, unter 10 % des Plastik- Mülls in Europa wird recycelt, der Rest in arme Länder verschifft, die Weltmeere sind so stark verschmutzt, dass dort bereits die Meeresbewohner umkommen.

Was können wir als einzelne Menschen gegen diese Veränderung der Welt tun? Verzweifeln? - Nein, mitnichten!

Jeder von uns kann sich an den Auftrag erinnern, die Schöpfung zu bewahren. Wir können den Baum vor unserem Haus gießen, damit er genug Wasser hat, um das Co2 abzubauen, wir können weniger und bewusster unser Auto benutzen, wir können, auch wenn es teurer ist, auf biologische Art erzeugte Lebensmittel erwerben, wir können im Kleinen Großes bewirken und jedem werden noch viele Kleinigkeiten einfallen, die wir tun können. Und schließlich können wir Gott bitten, der Menschheit zu vergeben, dass sie die Schöpfung nicht besser umsorgt und bewahrt hat.

Wir sind zwar nur eine kleine Schar von Geschwistern, aber, wie Schwester Friedchen einmal gesagt hat, „Der Heiland hat auch mit nur 12 Jüngern angefangen!“

Wenn wir bereit sind, mit den vielen Menschen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten, mit denen, die wissenschaftlich arbeiten, mit denen, die auf der Straße demonstrieren, mit denen, die ebenso Gott anrufen, um die Welt zu bewahren, wird sicherlich Gottes Segen nicht ausbleiben.

Beten allein genügt nicht

Viele sind auf dem Weg

Vieles muss noch geschehen

Soll es unserer Erde

Mal wieder besser gehen

Das große entscheidende Rad

Können wir alleine nicht drehen

Doch im kleinen alltäglichen Tun

Verantwortungsvoller gehen

Jede Tüte, die wir sparen

Jeder Konsum, den wir vermeiden

Wird ein Stück Hilfe sein

Damit Mensch und Natur nicht leiden

Lasst uns das weniger üben

Schauen, was kann ich tun

Beten und arbeiten auch hier

Und dann im Vertrauen ruhen