Das Böse ist das Gute, das den Weg nicht weiß

Gemeindebrief
von Konstanze P.
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Manches, was ich als böse empfunden Kehrte sich ins Gute in späteren Stunden Was ich am anderen verurteilen will Ist auch in mir, wenn ich ehrlich still Alles Bewerten schafft Abstand und Schmerz Verschließt den Blick in des anderen Herz Aushalten das Hell und Dunkel in mir Öffnet Mitgefühl und Liebe die Tür Ich will ein Nicht-Verurteiler werden Um mitzutun am Frieden auf Erden Der einzige Weg bei allen Unvollkommenheiten Sicher zu gehen in bewegten Zeiten Geduld und Liebe alltäglich im Kleinen Kann retten die Welt und uns alle einen.

Dieser Satz ist mir vor einiger Zeit zugeflogen. Ich weiß leider nicht mehr, wer, wo und in welchem Zusammenhang das war und habe auch keine Quelle im Netz dazu gefunden. Dennoch beschäftigt er mich immer wieder und regt mich zum Nachdenken an, und dabei möchte ich euch gerne mitnehmen. Dazu ein paar Zitate:

Wilhelm Busch sagt:

„Das Gute, dieser Satz steht fest,

ist stets das Böse, das man lässt.“

Und bei der frommen Helene:

„Ein guter Mensch gibt gerne acht,

ob auch der andere was Böses macht

und strebt durch häufige Belehrung

nach seiner Bessrung und Bekehrung.“

„Gut und Böse sind Kategorien, die eine Gemeinschaft vereinbart hat. Es gibt Dinge, denen jeder zustimmt, aber oft ist es eine Sache der Interpretation, der Kultur, des herrschenden Wertekanons und ist wandelbar.“ - Lothar Nickels

Wir kommen vom Kirchentag und haben das Motto „Voneinander-Füreinander-Miteinander“ im Ohr und denken dabei an frohe Runden, an uns lieb gewordene Geschwister und Freunde, an Geben und Nehmen in der Gemeinschaft im gegenseitigen Einklang. Dieses Füreinander schließt aber auch den mit ein, der sich abgewendet hat. Den, der noch nicht gefunden hat, den „Bösen“, der gegen mich oder die Kirche ist. Gerade, wenn es eine heftige und zornige Ablehnung gibt, zeugt das oft von enttäuschter Liebe, zerbrochenem Vertrauen und vielleicht auch von einem Schmerz über das Verlorene. Unsere Bewertung ist immer auch ein Stempel aus unserer persönlichen Sicht, den wir dem anderen aufdrücken und damit Trennung und Gräben bewirken.

Gott hat uns einen freien Willen gegeben und damit auch die Möglichkeit, uns zu entscheiden, uns abzuwenden von ihm und von den Wegen der Liebe. Aber er hat auch eine für uns unvorstellbare Geduld mit mir und mit dem anderen und sieht die Möglichkeiten, die in jeder Seele ruhen. Er sieht, wie der Funke glimmt und wie viele Wege und Impulse ihn irgendwann wieder zum Lodern bringen können. Seine Liebe sieht für jeden einen Weg und wir können Helfer, geduldige Zuhörer, Begleiter und Flämmchenentfacher sein. Auch wir können durch die kratzige Schale, den abweisenden und bösen Blick hindurch sehen lernen auf das, was Schutzbemühen, gekränkte Liebe, verletztes Kind und verlorenes Vertrauen ist und durch unsere annehmende Haltung und unseren liebevollen Blick Veränderung anregen.

„Im Grunde wird das Gefüge der Gesellschaft dadurch bestimmt, wie wir mit Schmerz und Leid umgehen. Wir können kämpfen oder flüchten, dominieren oder uns unterwerfen. Oder wir können die Liebe wählen. Dominanz contra Liebe!“ - Martha Kent

Das ist der Weg von Jesus, Ghandi und vielen anderen, die die Liebe gewählt haben, die die andere Wange hingehalten haben, die für die Verlorenen da waren im großen Mitgefühl für alle.

Aber wie soll ich das schaffen, wenn ich verletzt werde? Der Weg ist das Bemühen um Mitgefühl, die Einfühlung, das Verstehen, warum der andere so gehandelt hat. Seinen Weg zu sehen, seine Verletzungen und seine Reaktionsmuster zu erkennen und sie nicht mit der eigenen Person und dem eigenen Verletzt-Sein in Verbindung zu bringen. Hier greift das Christuswort: „Ich bin in den Schwachen mächtig.“ Wenn ich nicht der Stärkere sein muss, wenn ich die schwächere Position aushalte, dann kann ich aufrecht und liebevoll das Geschehen betrachten, es wächst die Fähigkeit zum liebevollen Blick auch in Konfliktsituationen und auch dem Suchenden, Verlorenen gegenüber. Ich kann in meinen Alltäglichkeiten Schritte zu Frieden und Licht machen.