Die Friedensstadt Weißenberg.

Gemeindebrief
von Siegfried S.
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Ihre Entstehung reicht zurück in das Jahr 1920. Der Kirchengründer Joseph Weißenberg erwarb in diesem Jahr ein 260 ha großes Gelände am Südhang der Glauer Berge, machte es urbar und plante eine autarke Siedlung für 15.000 Einwohner. Unter seiner Führung errichtete die Christliche Siedlungs-genossenschaft Waldfrieden innerhalb von 15 Jahren 45 Gebäude bis das NS-Regime 1935 ein jähes Ende setzte.

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Ein zentrales Gebäude dieser Siedlung ist der Glauer Hof. Als zweiter Neubau wurde es 1922 im Auftrag der Christlichen Siedlungsgenossenschaft Waldfrieden nach den Plänen des Architekten Willy Fromholz als Vierseithof errichtet. Es beherbergte Wohnungen für die zuziehenden Siedler, eine Poststelle und eine Kolonialwarenladen. Später diente es auch als Privatschule für die Kinder der Siedler.

Der Glauer Hof hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Nach der Enteignung der Siedlung durch das NS-Regime okupierte zunächst die SS das Gelände und benutzte die vorhandenen Gebäude. Nach Kriegsende zog die Rote Armee mit ihrer Garnison dort ein. Der Glauer Hof diente in diesen Zeiten als Wohnung für Offiziere.

Nach Rückgabe der Siedlung an den Eigentümer im Jahr 1994 wurde der Glauer Hof bis zum Jahr 2013 von Familien bewohnt. Im Jahr 2008 wurde der Glauer Hof nicht nur mit seiner Fassade, sondern auch mit seinen inneren Strukturen unter Denkmalschutz gestellt. Seit dem Jahr 2013 steht das Gebäude leer.

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Die jahrzehntelange Nutzung als militärische Liegenschaft hat am Gebäude sehr deutliche Spuren hinterlassen. Die regelmäßige Pflege, die ein Gebäude braucht, wurde unterlassen. So zeigt sich jetzt die verwahrloste Bausubstanz in seinem ganzen Umfang.

2019 wurde die Glauer Hof-Inklusion leben gGmbH als gemeinnützige Einrichtung gegründet. Sie will den Glauer Hof wieder denkmalgerecht instandsetzen, wieder zu einem Vierseithof erweitern und das Projekt zum Haus der Inklusion gestalten. Der Entwurf ist aus einem Wettbewerb unter Studierenden an verschiedenen Hochschulen und Universitäten hervorgegangen.

Entstehen sollen insgesamt 25 Wohneinheiten, davon 21 Wohneinheiten komplett barrierefrei. Der Glauer Hof ist ein Leuchtturm-Projekt von außerordentlichem gesellschaftlichen Nutzen.

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Kellerschoss Altbau

Das Bestandsgebäude ist nur teilunterkellert und nicht miteinander verbunden. Geplant ist der Durchstich in der Mitte des Gebäudes, damit nur ein Kellerabgang künftig ausreichend ist, um das gesamte Kellergeschoss begehen zu können.

Erdgeschoss Altbau

Das Gebäude hat zwei straßenseitige Zugänge. Der rechte Zugang von beiden wird als barrierefreier Zugang für das gesamte Ensemble gestaltet. In den beiden Kopfbauten entstehen 2 Wohnungen für Rollstuhlfahrer mit ca. 52 m2 Wohnfläche. Der Mittelbereich hat zwei Wohnungen für Sehbehinderte von ca. 35 m2 Größe. Für über die Vorgaben der DIN 18040- barrierefreies Bauen- hinaus gehenden Anforderungen für diesen Personenkreis werden wir vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehinderten Verein fachkundig beraten. Im Erdgeschoss befindet sich auch der Raum der Stille mit ca. 18 m2 Größe, der allen Bewohnern der Anlage als Rückzugsort jederzeit zur Verfügung steht. In diesem Raum hat Joseph Weißenberg übernachtet, wenn er in der Aufbauzeit der Siedlung regelmäßig von Berlin in die Friedensstadt kam, um die Bauarbeiten zu beaufsichtigen.

Obergeschoss Altbau

Im Obergeschoss befinden sich 4 barrierefreie Wohnungen mit ca. 34 bis 72 m2 Wohnfläche. Das 1. Obergeschoss wird durch einen Treppenlift, der an der Treppenanlage des barrierefreien Hauszugangs montiert wird, ebenfalls barrierefrei erschlossen.

Dachgeschoss Altbau

Im ausgebauten Mittelbereich des Dachraums entstehen 4 Wohnungen mit einer Wohnfläche von 24-34 m2 Größe. Sie sind auch gedacht für Übernachtungsmöglichkeiten von Betreuern, die u.U. eine 24-Stunden Betreuung leisten müssen.

Südlicher Seitenflügel Altbau

Dieser Gebäudeteil wird als Gemeinschaftsraum in einer Größe von gesamt ca. 40 m2 gestaltet. Hier können die Bewohner der Einrichtung zusammenkommen, Geburtstage feiern, oder auch Besuch empfangen. Angegliedert an den Gemeinschaftsraum ein behindertengerechtes WC. Die Einrichtungen in diesem Gebäudeteil sollen der Gemeinschaft dienen und helfen, die Inklusion zu befördern. Hier soll Gemeinschaft erlebbar gemacht werden.

Nördlicher Seitenflügel Neubau

Der früher hier vorhandene Seitenflügel wurde einmal abgerissen. Gründe und Zeitpunkt sind nicht bekannt. Hier entsteht an gleicher Stelle ein neuer Gebäudekörper mit 2 Wohnungen für Rollstuhlfahrer mit je ca. 37 m2 Wohnfläche. Dieser Gebäudekörper ist nicht unterkellert. Besonderer Charme dieser beiden Wohnungen ist: sie sind bis in die Dachspitze ausgebaut und vermitteln dadurch ein besonderes Raumgefühl.

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Westlicher Neubau

Etwas weiter westlich als der bauzeitliche Standort entsteht der neue, 2-geschossige Westflügel. Dieser Baukörper ist voll unterkellert und beherbergt alle 25 Mieterkeller. Er wird durch einen Personenaufzug vertikal erschlossen, der alle Geschosse miteinander verbindet. Zu erreichen über den Innenhof umfasst das Erdgeschoss 5 barrierefreie Wohnungen mit einer Größe von 34-58 m2 Wohnfläche. Alle Erdgeschosswohnungen verfügen über eigene Terrassen. Der geschwungen gestaltete Treppenraum fesselt gleich das Auge des Besuchers. Durch ein großzügiges Oberlicht erhält der Treppenraum seine direkte Belichtung von oben. Über die Treppe bzw. den Aufzug gelangt man in das 1. OG. Dort sind 6 barrierefreie Wohneinheiten mit 33-41 m2 Wohnfläche zu finden. Richtung Westen sind drei Zwerchgiebel angeordnet, die zur Belichtung der Innenräume beitragen. Zum Innenhof hin angeordnet, sorgen zwei große Dachgauben für die Belichtung der Innenräume.

Architektur

Die vorhandene Bausubstanz des Glauer Hofs ist das dominante architektonische Gestaltungsmerkmal. Ihr ordnen sich die Neubaubereich sowohl in Höhe als auch im Aussehen unter. Alle Gebäude erhalten den bauzeitlichen hellen Außenputz, dessen Konsistenz anhand der Laboranalysen sowohl in Farbe als auch in Körnung nachgemischt wurden. Die helle Putzfarbe entsteht durch die Farbe der verwendeten Zuschlagstoffe. Die Architektur der Neubauten spiegelt das Neue Landleben wider. Die einfache, verständliche Formensprache fesselt das Auge des Betrachters. Während die bauzeitliche Bausubstanz sich durch ihre schlichten Ornamente und Gesimsbänder in Deco-Art, die insgesamt behutsam restauriert werden, hervorhebt, treten alle Neubauteile ohne Ornamentik in den Hintergrund. Erstaunlich, dass Architekt Willy Fromholz 1922 sich für eine gestaltete Fassade mit Zierelementen entschieden hat, schlägt sich doch eine derartige Gestaltung erheblich in den Baukosten nieder. Mit der Wiedererstehung des Glauer Hofs sind die Zielsetzungen Nachhaltigkeit und Ökologie der Bausubstanz verbunden. Insgesamt wird das Projekt nach seiner Fertigstellung zu einer Perle im Zentrum der Friedensstadt.

Innenhof

Der von den Gebäuden umschlossene Innenhof umfasst die notwendigen barrierefreien Umwegungen, die eine gärtnerisch gestaltete Innenfläche umschließen. Dieser Innenhof dient der Erholung, Begegnung und Kommunikation der Bewohner und Besucher. Durch den offenen Durchgang des südlichen Gebäudeteils gelangt man auch zur Straße Am Glauer Hof. Bild8