Gedankenfunde

Gemeindebrief
von Konstanze P.
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„Natürlich gibt es diese unlichten Schattenwesen, aber immer und überall ist auch das Gute und Lichtvolle gegenwärtig, an dem sie sich orientieren können. Jede Seele hat jederzeit die Wahl zwischen dem Unlicht und dem Licht.“

Bernadette von Dreien: Christina

„Das Böse ist die Abwesenheit von Liebe…ein Mangelzustand. Bosheit ist ein missglückter Versuch, Angst abzuwenden. …. Es geht um die Anerkennung der Kräfte, die in jedem von euch sind. Es geht um alle Einsicht, um alle Möglichkeiten, das Böse zu betrachten, ohne es nach außen projizieren zu müssen und denen, die mit ihren eigenen Anliegen beschäftigt sind, noch aufzubürden, das, was ihr für euch selbst tun könntet, an eurer Stelle zu tun.“

Hasselmann /Schmolke: Die Welten der Seele

Im ersten Lesen regt sich Widerstand, bin ich doch aufgewachsen und geprägt von dem Anspruch und Bemühen, gut zu sein und das Böse zu meiden. Und jetzt soll ich hinter dem Bösen die Angst erkennen? Und das soll nötig sein für die Entwicklung meiner Seele? Aber der Gedanke ist sehr befreiend, dass nur über die Einsicht und das Annehmen des Da-seins von Gut und Böse auch in mir der Blick auf den Nächsten duldsamer, gütiger wird. Er führt zu mehr Eigenverantwortung und macht Verurteilung und Anklage von anderen überflüssig. Es geht nicht darum, das Böse gut zu heißen oder zu entschuldigen. Aber es geht darum zu erkennen, dass es erst in dieser Dualität möglich ist, sich für das Gute zu entscheiden und dass auf dem Weg durchs Leben durch die Erfahrung und Berührung mit dem Bösen und dem Guten meine Seele die Möglichkeit hat, zu wachsen und zu reifen.

Schauen wir uns in der Welt um, gibt es viel Böses, Vieles, was wir nicht verstehen und gefühlt auch nicht beeinflussen können. Eine Freundin gab neulich den Stoßseufzer in eine Gesprächsrunde: “Wie könnt ihr das alles nur aushalten?“ Vielleicht liegt in den vorangegangenen Gedanken eine mögliche Antwort zu mehr Verständnis und innerer Ruhe. Wenn ich aufhöre, das Falsche, das Böse im anderen zu bekämpfen und wirklich annehme, dass jeder an seinem Platz seinen Kampf kämpft, kann in mir Frieden einziehen. Wenn ich dagegen den Glauben habe, meine Sicht ist die Richtige, weil ich alle negativen Anteile in mir weggedrückt habe, um unbedingt richtig zu sein, dann halte ich Wut und Ärger über all die anderen aufrecht, damit…………

Ja genau, damit ich und mein kleines angstvolles Ich sich gut und richtig fühlen! Kann ich mich dagegen so wahrnehmen und annehmen wie ich wirklich bin, auch mit den nicht so akzeptablen, nicht liebenswerten Anteilen, dann wächst die Weite, die Ruhe im So-Sein-Dürfen und das wirkt sich stark auf meinen Blick auf den Nächsten aus.

Ich kann die Widersprüche, die Fehler, das vermeindlich Böse und doch oft nur Andersartige sehen, aber es hat nicht mehr so viel Macht über mich, über meine Seele. Ich kann mich bemühen, für mehr Liebe auf der Welt zu leben ohne so viel Kraft im Kampf gegen das Unlicht zu verlieren. Ich stelle mir eine Waage mit zwei Schalen vor mit der Frage, welche will ich füllen, womit mich ständig beschäftigen?

Man kann beide Seiten verschieden benennen:

  • Unlicht - Licht
  • Lüge – Wahrheit
  • Böse – Gut
  • Angst – Liebe
  • Gott abewandt – Gott zugewandt

Wir wissen um beide Seiten auch in uns, aber um wieviel erfüllender und befreiender ist es, die Schale der Liebe zu füllen, als gegen die Schale der Dunkelheit und Angst zu kämpfen. Und wenn wir uns mit dieser Erkenntnis dem anderen ehrlich öffnen, ist Begegnung, Verständigung ist Frieden möglich.

Gerade in der heutigen Zeit, in der wir so viel im Außen, im anderen ändern möchten, gilt mit noch größerer Bedeutsamkeit das Wort J. Weißenbergs:

„Wir können keine Welt ändern, es sei denn, dass ein jeder in sich selbst zur Erkenntnis der Wahrheit kommt und sich bessert.“

Und bessern verstehe ich hier im Sinne von sich selbst kennen und liebe lernen in allen Facetten und dadurch sich und den anderen liebevoll gelten lassen.

Ein Geistfreund sagte zur Einweihung des Gemeindehauses in Kaulsdorf 03.11.91 folgende Worte:

„Ein jeder Mensch hat seine besonderen Schwerpunkte, auf die er schaut. Und so wie die Menschen nun einmal sind, ziehen sie sich leichter etwas Negatives vor Augen, und ihr Blick wird getrübt, und sie selbst werden dunkel in allem, was sie tun. Befleißigt euch doch mehr, auf die guten Seiten zu schauen, und euer Blick wird wieder hell, und ihr könnt mehr erkennen von der wahren umfassenden Wahrheit, die euch Gott schenken möchte. Das alles geht aber nur mit dem geweiteten Blick im vollen Licht - ein Licht, das alles erkennen lässt, nicht nur einen kleinen Teil eines riesengroßen Puzzlespiels, nach dem ihr dann sagt: "So ist es, so ist der, so ist das", und damit eine Grenze zieht für alle Erkenntnis, die Gott euch schenken wollte. So ist das nicht, Wahrheit hat keine Grenzen. Sie kommt auf euch zu, und ihr könnt sie schauen, wenn ihr mit dem Auge der Liebe schauen lernt…….. Sucht im Nächsten euren Freund, und ihr werdet den Freund finden.“

„Ich bezeichne das Mitgefühl als globale Notwendigkeit. Die ganze Menschheit hat es grundlegend nötig, allem mit mentalem Frieden und einem mitfühlenden Blick zu begegnen.“

(Dalai Lama)

Immer wenn die Angst in meine Gedanken schleicht

Die Zuversicht aus meinem Herzen weicht

Die Angst will mir raten, will mich bremsen und trennen

Und mir den anderen als Gegner nennen

Sie tut so helfend, will mein Ego schützen

Doch meiner liebenden Seele kann sie wenig nützen

Ich will sie erkennen in jedem Gesicht

Und doch, verurteilen will ich sie nicht

Als Teil meines Innern ein Stück Raum ihr geben

Um dann mehr Vertrauen und Liebe zu leben