Gemeinschaft

Gemeindebrief
von Konstanze P.
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In einem Seminar des Arbeitskreises Krankheit ist Geist haben wir uns an einem schönen Tag im Mai in der Friedensstadt getroffen und unter anderem am Nachmittag das Thema Gemeinschaft bewegt. Anfangs wandelten wir in der Schule in kleinen Gruppen zu Zetteln an den Wänden mit den Fragen:

  • Zu welchen verschiedenen Gemeinschaften gehöre ich?
  • Für die Gemeinschaft würde ich gerne…. tun!
  • Was nervt an einer Gemeinschaft?
  • Was wünsche ich mir von einer Gemeinschaft?
  • Wie gehe ich in die Gemeinschaft und wen oder was bringe ich mit?

Es entstanden lebhafte Gespräche und viel Lachen und gut vorbereitet kamen wir in der Aula alle zusammen. Das Gespräch eröffnete eine kleine Geschichte aus einer Hochzeitsrede, die ich vor vielen Jahren erlebt und tatsächlich noch wiedergefunden habe:

„Ich glaube, jedem ist klar, dass man etwas, das man erworben hat - und es ist völlig egal, was es ist – ein Fahrrad, eine Wohnung, Fähigkeiten oder eine neue Hifi-Anlage – pflegen, sorgsam damit umgehen, reparieren, verbessern und schützen muss, will man länger etwas davon haben. Und natürlich ist es bei Freundschaften und der Liebe ebenso. Normalerweise macht man einem Fahrrad keine Vorwürfe, wenn es nicht in dem erwünschten Zustand ist. Nur wenige Verrückte treten ihr Fahrrad, wenn die Kette reißt und machen es dabei noch mehr kaputt. Normalerweise repariert man es halt. Und ganz Schlaue schauen nach, was sie dafür konnten, dass die Kette gerissen ist. Das ändern sie dann, und so tragen sie selbst dazu bei, dass sie ein schönes und heiles Fahrrad haben und ihre Zuneigung steigt. Sie wird sogar größer als zu Beginn, denn nach der liebevollen Reparatur und Pflege ist das Fahrrad nicht nur wieder heil, sondern es trägt auch die Liebe in sich, die man durch Reparatur, die Pflege in es hineingetan hat.

Und je länger und besser man dies macht, desto mehr wächst einem die Sache ans Herz, desto mehr schätzt man sie und desto mehr kümmert man sich um sie und will sie dann nicht mehr aufgeben, wie einen liebgewonnenen Oldtimer. Daher wohl auch der Spruch „alte Liebe rostet nicht mehr“ oder so ähnlich.

Gewöhnlich versucht man erst dann etwas loszuwerden, wenn man sich zu lange nicht gut genug darum gekümmert hat. Denn dann ist es aus der eigenen Sicht kein Oldtimer, sondern eine Schrottkiste.

Es ist also umgekehrt: "Die Liebe verschwindet nicht, weil etwas kaputt gegangen ist. Die Liebe verschwindet, weil man sich nicht gut genug und nicht liebevoll genug darum gekümmert hat, dass die Dinge so sind, wie sie sein sollten." Markus Valentin

Wenn man jetzt das Wort Liebe durch Gemeinschaft ersetzt, wird klar, ist dieser Satz genauso richtig und sinnreich. So haben wir dann viele Dinge gesammelt, die eine Gemeinschaft braucht und hier ist unsere umfangreiche Sammlung:

Respekt, Vertrauen, Pflege, Zeit, Achtsamkeit, Fürsorge, gemeinsam wachsen, Offenheit und Wahrheit, gemeinsames Arbeitsziel und Projekte, Begeisterung, Ehrlichkeit, Zuversicht, Geduld, gemeinsame Orte, Gleichberechtigung, Einbringen, Zurücknehmen, Toleranz, offener Umgang mit Kritik, Vielfalt und Freude, gemeinsame Geschichte und Entwicklung, Regeln und Werte, Geben und Nehmen, Selbstfürsorge, Kreativität, Streitfähigkeit, Fehlerfreundlichkeit, Kompromissfähigkeit, Konsens, verschiedene Kompetenzen, Berufe…

Ganz schön viel und vieles kann ich in unseren Reihen und anderen Gemeinschaften sehen. Aber vielleicht findet ihr ja noch mehr Aspekte oder wir suchen uns alle einen Punkt heraus und beginnen ihn zu leben – jetzt!

Ein kleines Beispiel: Bei der Aufteilung in kleine Gruppen bekamen wir die Anregung, doch mit denen zusammen zu gehen, die wir nicht immer in der Nähe haben und kennen. Das war bereichernd und ich habe wieder Menschen besser kennen und verstehen gelernt, die ich „nur“ vom Gott zum Gruß sagen „kenne“. Vielleicht ist das eine Anregung für kommende Gemeinde- und Kirchentage? So mancher traut sich nicht, sich mit an diese netten, familiären oder gemeindemäßigen Tische mit den abgezählten Plätzen zu setzen und fühlt sich so nicht dazugehörig oder mitten in der Gemeinschaft angenommen. In diesen kleinen Dingen hilft Aufmerksamkeit, Wahrnehmung für den anderen, ein sich Mitverantwortlich-fühlen für die Gemeinschaft und ein Öffnen in mir für die Frage: Strahle ich Willkommen und Liebe aus, gestalte ich die Gemeinschaft mit, die ich mir wünsche?

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Wir sind eine bunte Kette

Nicht jedes Glied ist gleich

Wir glitzern oft um die Wette

Und nur zusammen sind wir reich

Jeder hat seine besondere Farbe

Seine Aufgabe und sein Ziel

Wir sind wie eine große Garbe

Zusammen erreichen wir viel

Und jeder bringt seinen Teil

Ist mit Liebe zur Sache dabei

Bemüht sich auf seinen Wegen

Schwimmt sich immer wieder frei

Auch wenn‘s noch so schwer uns fällt

Lasst uns wieder Vertrauen fassen

Dem anderen das Gute glauben

Und das Besserwissen lassen

Lass uns deine Kinder werden

Jedes stark auf seine Weise

In der Liebe Brücken bauen

Auf unserer gemeinsamen Reise

Zitate zum Thema Gemeinschaft

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„Ihr“ ist etwas ganz anderes als „Wir“. Raymind Walden

In Zeiten wie diesen braucht es uns. Jörg Lohmann

Eine Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass sie ausgerufen wird, sondern dadurch, dass man sie lebt. Stefan Hölscher

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Wie Buchstaben sind wir: ohne die anderen völlig sinnlos. Elmar Schenkel

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Mit nur einer Hand lässt sich kein Knoten knüpfen. Sprichwort

Verbunden werden auch die Schwachen mächtig. Friedrich Schiller

Der Reifegrad einer Gemeinschaft zeigt sich darin, wie sie mit Fehltritten in den eigenen Reihen fertig wird. Gottfried Edel

Gemeinschaftsgefühl ist „mit den Augen eines anderen zu sehen, mit den Ohren eines anderen zu hören, mit dem Herzen eines anderen zu fühlen.“ Alfred Adler

Jeder Einzelne spiegelt das Universum auf eine einzigartige, unverwechselbare Weise. Nur alle Spiegelungen zusammen ergeben das wahre Bild. Also ist eines jeden Beitrag wichtig, selbst wenn er sagen muss, er sehe im Moment nicht allzu viel. Kein Bild besteht nur aus Helligkeit, wenn Ihnen also dunkel ist, steuern Sie Dunkelheit bei. Sten Nadolny

Wie macht es froh bei aller Last, wenn ohne viel zu fragen, die Hand des andern nach uns fasst: Nur Mut, ich helfe tragen! In Gottes Liebe fest vereint wird alles leicht, was schwer erscheint, und fröhlich kann gelingen, was einzeln nicht zu zwingen. Johannisches Gesangbuch Lied 119, 2. Strophe

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„Jeder Einzelne ist ein Tropfen, gemeinsam sind wir ein Meer.“ Ryunosuke Satoro, japanischer Autor

Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Jesus Christus

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