Kabarett in der Johannischen Kirche

Gemeindebrief
von Armin M.
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schauspielerische Szenen, Monologe, Dialoge oder Pantomime miteinan-der verbunden werden. Kabarett ist in seiner Motivation gesellschaftskritisch, komisch-unterhaltend und/oder künstlerisch-ästhetisch.

Als die Johannische Kirche 1957 das heutige St.-Michael-Heim erwarb, sollte neben gemeinsamen Gottesdiensten auch ein reges Kirchenleben entstehen, das Veranstaltungen verschiedenster Art vorsehen sollte. Neben vielen Interessengruppen, wie Literatur, Schauspiel, Basteln, Werken und Musik etablierte sich bald eine Gruppe von Kabarett-Motivierten. Diese Gruppe nutzte die häufigsten Stilelemente der Satire und Parodie, Sarkasmus und Ironie, die sich u.a. in einem Sketch ausdrücken. Eine Sonder-form stellte das Vortragskabarett dar, wobei hier alle Stilelemente eines konventionellen Bühnenvortrags mit schauspielerischen Elementen (Kostüm, Maske, Gesang usw.) verbunden werden.

In der Spandauer Jugendgruppe bildete sich sehr schnell eine kleine Gruppe, die die neuen Möglichkeiten im St.-Michaels-Heim mit Bühnen und Vortragsmöglichkeiten nutzte. Zu Jugendtagungen, zu denen traditionell der Pfingstmontag zählte, traten dann kleine Gruppen mit vorbereiteten Sketchen oder kurzen Theaterstücken auf.

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Mit meinem Freund Joachim Wiese wurden wir immer an geselligen Terminen der Jugend zu unseren Paradenummern gedrängt. Im Prinzip waren das nur gespielte Witze, die jeder zwischenzeitlich kannte. Das war Ende der 1950er-Jahre und der 1960er-Jahre.

Die Umbauphase des SMH war 1966 beendet und dann waren auch Räumlichkeiten für Proben und Vorführungen vorhanden. Die beliebtesten Zeiträume für Kabarettveranstaltungen, die nun in professionelleren Händen lagen, waren der sogenannte Vorabend zum Geburtstag des Oberhaupts jeweils am 6. Februar, 14. Juli und in der Kirchentagswoche um den Geburtstag von Joseph Weißenberg, unserem Kirchengründer.

Durch den Mauerbau 1961 war das kulturelle Leben zwischen Ost und West sehr unterschiedlich geprägt. Durften sich unsere „Ost-Geschwister“ in der damaligen DDR nur zu Gottesdiensten und religiösen Unterweisungen treffen, so konnten wir im Westen alle Register der Parodie ziehen, deren Vorbilder im Fernsehen teilweise die „Stachelschweine“, die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ etc. waren.

Ich kann mich sehr genau an Veranstaltungen erinnern, an denen unser Oberhaupt Schwester Friedchen teilnahm und wir Kabarettisten die Reaktion an ihrer Gestik und Mimik verfolgen konnten, wenn wir die kleinen Unzulänglichkeiten der Menschen auf sarkastisch-ironische Weise als kleine Pfeile abschossen. Es gab keine Veranstaltung, an der sie nicht den Spaß verstand und ausgelassen applaudierte.

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So gab es dann ein Frauenkabarett zu Frauentagen, Manöverbälle zu Männertagen und Gemeindekabaretts, wenn u.a. Zusammenkünfte auf Gut Schönhof stattfanden.

Die Deutsche Einheit bescherte uns ein besonders breites Feld der Satire, des Humors und der Anekdoten. Im Waldfrieden konnten nun zu den vor-genannten Anlässen die Veranstaltungen auf wesentlich größerer Bühne und Publikum erstmals 1990 stattfinden, an denen sich auch auswärtige Gemeinden und später dann die Jugend beteiligten. Oft spiegelten sich die Wünsche an die nun kommende Zeit wider, wenn etwa 1994 sich die Rückgabe der Friedensstadt anbahnte oder eine mögliche Johannische Bank in Blankensee die Fantasie befeuerte. Ein einsamer Angler hängt z.B. im Zwiegespräch seinen Gedanken nach, wie denn der Ansturm von Geschwistern mithilfe des Flughafens Schönhagen und Düsenjets bewältigt werden könnte.

Ab Mitte der Achtzigerjahre bestand eine Videogruppe im SMH, die fleißig viele, viele Veranstaltungen mitschnitt. Dieser Gruppe verdanken wir heute Aufnahmen mit vielen kabarettistischen Szenen, die aufnahmetechnisch der damaligen Zeit entsprachen. Gemessen an TV-Veranstaltungen der 1980er und 90er-Jahre konnten sich diese, später digitalisierten Mitschnitte, durchaus sehen lassen, weshalb einige dieser Szenen gesammelt und in unserer Mediathek ab Mitte Januar zu sehen waren.

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Wie eingangs beschrieben, halfen die schauspielerischen Erfahrungen aus dem Johannischen Amateurtheater und die Sangeskunst als Mitglieder im Johannischen Chor Berlin gleichermaßen. Beides konnte der Literaturbeauftragte der Johannischen Kirche Helmut Raeschke meisterlich vereinen. So, könnte man heute sagen, ist diese „Schräge Rampe“ als Kabarett-Truppe bekannt geworden, weil immer professionellere Mitspieler im Musikalischen sowie im Schauspielerischen Teil dieser Gruppe wurden. Helmut Raeschke als begnadeter Musikus schrieb nicht nur teilweise die Texte, komponierte die Musik und führte zudem natürlich Regie. Er wurde von vielen Talentierten in der Kirche unterstützt. In der Nachwendezeit traten wir verschiedentlich an öffentlichen Bühnen auf. So zum Beispiel ein Gastauftritt der „Schrägen Rampe“ im Schützenhaus Trebbin, das, wie der Chronist berichtete, aus allen Nähten platzte.

Mit dem Heimgang von Helmut ist nicht etwa das Kabarett in unserer Kirche ausgestorben. Mit Hingabe hat die Johannische Jugend in den letzten Jahren eine Revue über das TGO-Gelände aufgeführt. Wenn man diesen Mitschnitt heute nach vielen Jahren schaut, sind aus vielen Mitspieler:innen inzwischen Missionshelfer:innen, Gemeindehelfer:innen Gemeindelei-ter:innen und Prediger:innen geworden.

Von Stillstand in unserer Kirche also keine Spur, denn im SMH sammelte sich auch wieder eine Gruppe, die mit flotten Rhythmen und dem Thema der „Entschleunigung“ das Publikum in einer Kirchentagswoche erfreute.

Die oben erwähnte Mediathek hat im vergangenen Jahr etwa 60 Filme aus unserem Kirchenleben präsentiert. Der ausdauernden Mühe von Dirk Hartmann haben wir es zu verdanken, dass diese Filme bearbeitet den Besuchern des Portals „Lebendige Kirche“ zur Verfügung stehen und von ihm dort hochgeladen werden.

Wer gerne einen Wunsch hat, aus diesem Sortiment etwas in diesem Jahr erneut zu sehen, der kann sich gerne an Dirk Hartmann (d.hartmann@johannische-kirche.org) wenden. Für alle Filmbegeisterten, die sich gerne ein Heimkino mit DVDs einrichten wollen, sende ich sehr gerne eine Auflistung noch erhältlicher DVD-Videos per Post oder per Mail zu: armin@mattstedt.de oder Tel. 030 711 39 99

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