Theater spielen?!

Gemeindebrief
von Susanna Q.
PDF-Ansicht

So beschreibt es die amerikanische Theatermacherin Anne Bogart. Warum ein Artikel über das Theater im neuen Gemeindebrief? Ich wurde von dem Team um den Gemeindebrief gefragt, ob ich von meiner Arbeit berichten kann. Und voller Freude habe ich zugesagt! Ist das Theater nicht nur Spiel, sondern auch harte Arbeit und stets Auseinandersetzung mit sich selbst und dem anderen Menschen.

Aber von vorn: Viele von euch kennen mich, andere aber noch nicht. Ich bin Susanna Quandt und von Beruf Dipl.Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin (FH), systemische Theaterpädagogin BuT (i.A.) und Spielpädagogin (ARS). Mit diesem Background bin ich seit 2016 bundesweit freischaffend tätig. Ganz grob skizziert inszeniere ich Theaterstücke, führe Regie, gebe theaterpädagogische und sozialpädagogische Seminare und Workshops, spiele selbst im Dokumentartheater Berlin und arbeite mit Menschen, die das Theater für sich neu entdecken wollen, sowie mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspielern. Dabei hilft mir die Kombination von Sozialpädagogik und Theaterpädagogik. Denn in den vergangenen Jahren habe ich u.a. auch immer wieder mit psychisch beeinträchtigten Menschen gearbeitet. Hier war das Mittel Theater die Methode, um als Mensch wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Das Theater kann dabei helfen Ängste zu verlieren, seine eigene Stimme wieder zu entdecken, Freude dabei zu entwickeln in andere Rollen zu schlüpfen: „Huch, ich kann ja doch einen Bösewicht spielen! Vorher war ich immer zu schüchtern.“ sowie eigenes Selbstvertrauen, was möglicherweise in den Hintergrund getreten ist, wieder hervorzuholen.

Die Auseinandersetzung mit einem Thema, dass am Ende des Prozesses vor Publikum stolz gezeigt werden wird, ist neben dem Spaß auch immer Arbeit! Hier zeigen sich Teamfähigkeit, Flexibilität, Kritikfähigkeit und der Umgang mit den eigenen inneren Grenzen als auch mit den Grenzen anderer Menschen in der Theatergruppe. All das braucht der Mensch zum Beispiel auch im Berufsleben! Und so ist die Methode Theater auch ein gutes Mittel für Teambildung. Gerade in Berufszweigen, die mit dem Theater so gar nichts zu tun haben. Hier kann sich zeigen, ob mein Kollege/meine Kollegin, der/die immer zurückhaltend ist, in einem Theaterworkshop auch andere Seiten an sich entdeckt und umgekehrt natürlich auch.

Selbst in der Hospizarbeit hat das Theater seinen Platz. Gerade das Biografische Theater empfiehlt sich für Hospizhelferinnen und Hospizhelfer. Auch hier gebe ich Seminare und Workshops.

Oft werde ich gefragt, ob mir das viele Reisen und die vielen unterschiedlichen Arbeitsfelder nicht zu viel oder gar zu anstrengend sind. Meine Antwort ist bisher immer: Nein! Ich habe mit diesem Beruf die wunderbare Möglichkeit mit Menschen sehr intensiv zu arbeiten. Neben der Inszenierungsarbeit, das Anleiten von Schreibwerkstätten, das gemeinsame Entwickeln von Rollenprofilen und vielem anderen mehr, gehört es manchmal auch dazu mit Menschen gemeinsam zu weinen, zu schreien und zu lachen! Das gegenseitige Vertrauensverhältnis, das über die theaterpädagogischen Methoden oft schnell aufgebaut wird, schenkt Raum für solche Erlebnisse. Als ich in Schwerte (NRW) das Seniorentheater dort leitete, sagte am Ende des ersten Workshop-Tages eine Seniorin zu mir: „Du hast es geschafft innerhalb eines Tages von Frauen, die sich bisher nicht kannten, eine tolle Gruppe zu formen. Du hast den schönsten Beruf!“

Theater2

Der schönste Beruf! Ja, das ist er für mich. Denn Theater ist so viel mehr als nur Spiel. Es ist Wachsen! Es bedeutet, sich auf etwas erst mal Unbekanntes einzulassen! Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass das was ich ausprobieren will, mich weiterbringt! Theater bedeutet, einen geschützten Raum zu schaffen, wo alles Platz haben darf! Es gibt kein Richtig und kein Falsch, es gibt immer „nur“ das Weiterentwickeln von angebotenen Ideen. Und so entsteht in den jeweiligen und unterschiedlichen Prozessen ein Theaterstück, eine selbst entwickelte Theatercollage, es entwickeln sich andere Blickwinkel in Arbeitsteams, es entsteht eine andere Herangehensweise in Weiterbildungsmöglichkeiten durch theaterpädagogische Seminare und vieles anderes mehr. Je nachdem was der individuelle Auftrag ist. Denn das Mittel Theater kann in jedem Arbeitsfeld Platz haben. Und bei all dem darf ich Menschen begleiten! Was kann es Schöneres geben?

Ich habe bei Weitem noch nicht alles über meine Arbeit geschrieben. Dafür reichen die Seiten nicht. Aber ich möchte mich bedanken, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, euch einen Einblick in diesen wunderbaren Bereich zu geben! Und vielleicht sehe ich die Eine oder den Anderen von euch bei einer gemeinsamen Theaterinszenierung oder in einem Workshop.

Vielen Dank fürs Lesen!