Von Hirten und Schafen

von Christoph Schaal-Breite
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Was würdest du denken, wenn ich dir sagte, dass du wie ein Schaf bist? Du fühltest dich vielleicht beleidigt oder dächtest zumindest, dass das wohl nicht nett gemeint ist. Und das wäre im allgemeinen Sprachgebrauch auch verständlich. Aber wenn ich dir sage, dass du wie ein Schaf bist, meine ich das gar nicht als Beleidigung. Denn ich bin auch ein Schaf; alle Menschen sind Schafe. Um das verstehen zu können, müssen wir zusammen in die Bibel schauen.

Das Bild vom Schaf wird in der Bibel immer wieder benutzt, auch schon im Alten Testament. Okay, dort ist eher von einem Hirten die Rede, aber ein Hirte und eine Herde Schafe gehören doch auch irgendwie zusammen. Schafe brauchen einen Hirten, und ein Hirte braucht eine Herde (Schafe).

Bereits Jakob, dem Gott auch den Namen Israel gab, verwendet für den Herrn das Bild des Hirten. Zu seinem Sohn Joseph sagt er, dass Gott schon sein ganzes Leben wie ein Hirte für ihn da war. Auch bei den Propheten wird von einem Hirten gesprochen. Der Prophet Hesekiel spricht von dem einen Hirten, der kommen wird, um die Herde zu weiden.

Wer gehört zu dieser Herde? Zur Zeit des Alten Testaments war es das Volk Israel. Es war das von Gott auserwählte Volk. Zu ihnen sprach Gott durch die Propheten; er wollte sie wieder zu sich zurückführen. Der Hirte sollte sich also um das Volk Israel, die Israeliten, bemühen, sich um sie kümmern und für sie sorgen. Er sollte Schaden von dem Volk abhalten, es beschützen.

Im Neuen Testament bekommen wir dann vom Heiland Jesus Christus selbst ein Bild über den Hirten und die Schafe. Er sagt uns, wer der Hirte ist: Er, der Heiland selbst: „Ich bin der gute Hirte.“ Und wer sind dann seine Schafe? Auch darauf gibt der Heiland die Antwort: Seine Schafe sind alle die, die seine Stimme hören und ihm folgen.

Zur damaligen Zeit waren das besonders die Jünger, Frauen und Männer, die dem Heiland folgten. Aber nicht nur für diese Menschen zu seiner Zeit wollte der Heiland der Hirte sein. Er dachte schon weit in die Zukunft. Wenn er sagt, dass alle, die seine Stimme hören und ihm folgen, gemeint sind, dann bezieht sich das auch auf uns heute. Für alle Menschen, die an den Heiland glauben, für alle, die ihm nachfolgen, ist er auch heute noch der Hirte. Er kümmert und sorgt sich um uns, und er will uns weiterhin vor Schaden bewahren. Wir sind also ein Teil seiner Herde.

Aber nicht nur wir als Christen sind seine Herde. Jesus spricht auch davon, dass es Schafe in anderen Ställen gibt. Und auch um diese Schafe kümmert er sich. Was das für andere Ställe sind? Neben unserer Herde gibt es zum Beispiel auch die Herde der Juden, eine Herde der Muslime und viele andere Herden. Jede Glaubensrichtung ist eine Herde, die jeweils in einem anderen Stall zu finden ist. Der Heiland möchte all diese verschiedenen Schafe wieder zurück in die himmlische Heimat und zu Gott führen, der ja unser aller Vater ist.

Dieses Ziel ist das gleiche, das auch der Seher Johannes in seinen Offenbarungen gesehen hat. Und es ist das gleiche Ziel, das auch unser Meister Joseph Weißenberg erreichen möchte: ein Hirt und eine Herde!

Also, wenn ich zu dir sage, dass du ein Schaf bist, dann ist das keine Beleidigung, sondern dann sehe ich in dir eine Person, die Gott ganz besonders lieb hat.