Zu Hause

Gemeindebrief
von Norbert T.
PDF-Ansicht

Gerade bin ich zuhause angekommen. Eine Fahrt von ca. 30 Kilometern hat mich von einem Zuhause zum anderen geführt. Ja, ich habe das Glück zwei Orte als mein Zuhause sehen zu dürfen: eines als mein Geistiges und eines als mein Weltliches.

Ich bin eben von einer Sitzung im SMH oder, wie ich es als älterer Mann liebevoll bezeichne, im Michaelsheim gekommen. Es galt in dieser Veranstaltung, Gedanken zu sammeln, die der Zusammenführung der bisherigen Berliner Gemeinden zu einer Gemeinde in unserem Kirchenzentrum dienen könnten.

Im Gemeindesaal wurden wir von unseren Kirchenleitern Stefan und Daniel begrüßt, die uns die Beweggründe dieser ersten Arbeitsrunde erklärten und mit uns zusammen den Schutz und Segen und die Hilfe unseres Meisters in einem gemeinsamen Vaterunser erbaten, ein für mich sehr berührender Augenblick, denn die Saat der Mitverantwortung für unsere Kirche, die Schwester Josephine in unsere Herzen gesetzt hat, fängt an, sich zu entwickeln.

Wir werden beauftragt, die Kirche zu tragen und das Michaelsheim wieder stärker zu unserem geistigen Zuhause zu machen. Schwester Verena Wittke als Moderatorin erläuterte das weitere Vorgehen. In der großen Gruppe erfragte sie, was jeder von uns für wichtig halte in unserem gemeinsamen Zuhause, um sich darin wohl fühlen zu können. Auf liebevoll vorbereiteten farbigen Blättern sollten sich jeweils die Sitznachbarn kurz besprechen und einige Schlagworte für alle sichtbar an eine Wand heften.

Ungeordnet seien hier einige dieser Wünsche aufgezählt: Johannische Ansprechpartner, Freunde, Räumlichkeiten, Strukturen, regelmäßige Treffen, Regeln und Abläufe kennen, Leben im Haus, Mitverantwortung, klare Erkennbarkeit als Kirche, einfache Kommunikation, Einbezug und Akzeptanz der Kinder.

Anschließend bildeten sich Kleingruppen, die vier Aufgaben bearbeiten sollten:

  1. So sieht die Berliner Gemeinde in 10 Jahren aus, wenn alles gut gelingt.
  2. Was brauchen wir dafür?
  3. Was sollte möglichst nicht passieren?
  4. Was kann / will ich einbringen, damit es so gut wird?

Für das Aufgabenfeld des guten Gelingens in den nächsten 10 Jahren benötigte meine Arbeitsgruppe die meiste Zeit, galt es doch eine Vorstellung zu entwickeln, die alle miteinbezieht, keinen überfordert und Freude macht. Unser zu erreichendes Ziel ist, dass wir als Kirche offen für jeden sind, so dass wirklich jeder jeden kennt und sich jeder angenommen fühlt. Dazu sind gute Strukturen nötig und möglichst regelmäßige und zuverlässige Angebote des kirchlichen Miteinanders. Zu wünschen wäre es, dass mehr johannische Geschwister im Michaelsheim wohnen, eine „Hausgemeinschaft“ als Keimzelle für die Gemeinde. Diese könnten Anlaufstelle für jeden Besucher des Hauses sein und damit die Willkommenskultur verbessern.

Benötigt werden zum Erreichen dieses Zieles vor allem Räumlichkeiten, die für die Geschwister immer zur Verfügung stehen. Gut motivierte Helfer könnten als Koordinatoren im Haus arbeiten, die quasi mit „Schlüssel- und Kühlschrankrechten“ ausgestattet über regelmäßige Veranstaltungen Bescheid wissen und diese unterstützen .

Einigkeit bestand, auch im später folgenden Forum, dass auf keinen Fall die bestehenden Strukturen sofort aufgehoben werden sollten. Die Betreuung unserer Geschwister muss auch weiterhin erste seelsorgerische Verpflichtung bleiben. Deshalb wird es nötig sein, die Leiter der Gemeinden und alle in der Gemeinde Mitarbeitenden zu bitten, auch weiterhin ihre bisherigen Aufgaben zu erfüllen. Das Motto dafür heißt: Never change a winning team! (Wechsle nie ein funktionierendes Team aus!) Die Kommunikation zwischen den Geschwistern sollte gefördert werden, wobei jedoch berücksichtigt werden sollte, niemanden zu überfordern.

In der nachfolgenden Großgruppe stellte sich heraus, dass alle Gruppen sehr ähnliche Ergebnisse erarbeitet hatten, für mich ein erstes Zeichen, dass wir eine gute Arbeitsgrund- lage hatten und vor allem eines Geistes sind, die Zukunft verantwortlich mitzutragen.

Wir als Gemeinschaft sind gefordert, Verantwortung zu übernehmen für die Vielfalt der Angebote, in der wir unsere Zeit, unsere Kenntnisse und unsere Freude teilen. Eine junge Schwester erzählte von einem Projekt, das sich durch die Regelmäßigkeit, in der es stattfand, von allein weiter entwickelt hat. Eine andere Schwester wünscht sich, dass sich die Kinder heute in 10 Jahren, dann siebzehnjährig, im Michaelsheim immer noch zuhause fühlen mögen. Ein Bruder erwähnte, dass man vielleicht regelmäßige Gruppen, wie es Frauen- und Männergruppen gab, in veränderter Form wiederbeleben könnte, ein anderer Bruder wünscht sich, dass jeder von uns regelmäßig einen älteren Menschen mit ins Haus bringt, zu deren Freude und zum Ausstrahlen dieser Freude ins Haus. Tröstlich ist, dass nicht nur die Anwesenden alle Aufgaben erfüllen müssen, denn viele Geschwister würden sich freuen, im und am Haus mitarbeiten oder z. B. eine Aufgabe anderer Art übernehmen zu dürfen. Nicht die Aufgabe ist dann das Ziel, sondern die Freude, die diese den Geschwistern macht. Sicherlich wird mit der regelmäßigen Mitarbeit auch die Mitverantwortung der Helfer gestärkt, was wiederum die Gemeinschaft fördert.

Mit der Gewissheit, dass wir alle einen langen Atem benötigen werden, aber der erste Schritt getan wurde, bedankten sich unsere Kirchenleiter Stefan und Daniel bei uns und wir beschlossen, diesen sehr anregenden Gesprächskreis mit einem Dankgebet.

Der Weg zu einer Gemeinde braucht Zeit, aber jeder kleine Schritt bringt uns weiter. Dazu eine kleine Geschichte, die unsere Aufgabe vielleicht verdeutlicht:

Ein alter Gärtner will seine Pflanzen wässern. Er schickt seinen Enkel los, vom nahe gelegenen Bach Wasser zu holen. Doch seine beiden Eimer sind löchrig, und als der Junge wieder zurück ist, ist nur noch wenig Wasser in den Gefäßen, das er an die Pflanzen gießt. Erneut schickt ihn der alte Mann los – mit dem gleichen Ergebnis wie vorher. Als ihn der Alte ein drittes Mal losschicken will, fragt ihn der Junge: „Warum schickst du mich wieder los? Du siehst doch, es hat keinen Sinn!“ „Oh, doch,“ antwortet der Alte. „Es bleibt immer etwas Wasser übrig. Die Pflanzen werden gedeihen. Wir sollten einfach dankbar sein!“